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Kategorie: Nachhaltigkeit

Kühlschrank, Laptop, Fernseher: Was ein Balkonkraftwerk alles versorgt

Lesezeit: 4 Minuten
Zwei Personen, ein Mann und eine Frau, die zusammen auf dem Balkon sitzen, lächeln, sich umarmen und der Mann dabei einen Arm um das Balkokraftwerkfeld legt. Im Hintergrund ist ein Hund.

Balkonkraftwerke sind die einfachste Möglichkeit, Solarstom für den eigenen Haushalt zu gewinnen. Und was genau bedeutet das? Wir zeigen, was ein Balkonkraftwerk für den Energiebedarf im Haushalt leisten kann.

Frühling! Die Tage werden immer länger und die Sonne hat wieder mehr Kraft. Genau die richtige Zeit, sich doch mal mehr Gedanken über ein Balkonkraftwerk zu machen. Das soll sich wirklich lohnen, sagen schließlich viele. Aber was diese Kraftpakete wirklich bringen, lässt sich oft nicht richtig greifen. Wie viel Alltag können sie mit Strom versorgen? Wir versuchen mal, das anhand typischer Haushaltsgeräte zu zeigen.

Wieviel Strom kann ich über mein Balkonkraftwerk nutzen? 

Dazu aber erst ein paar Hintergrundinfos: Generell darf man mit einem Balkonkraftwerk in Deutschland bis zu 800 Watt Leistung ins eigene Hausnetz einspeisen1. Gemeint ist das interne Netz hinter dem jeweiligen Stromzähler. Alle im Haushalt angeschlossenen Geräte nutzen jetzt zuerst die selbst eingespeiste Sonnenenergie. Ist diese verbraucht oder kommt aktuell mangels Sonne nicht genügend Energie nach, ziehen sie den Strom normal aus dem Netz.

Umgekehrt gilt: Die Solarenergie, die die Bewohner nicht direkt selbst verbrauchen können, wird grundsätzlich ins öffentliche Stromnetz eingespeist – und steht damit der Allgemeinheit zur Verfügung.2 Anders ist der Fall, wenn man zugleich in einen Stromspeicher investiert hat, der die überschüssige Energie sozusagen für später aufbewahrt.3 Bestimmte Speicher verfügen zudem über integrierte Steckdosen für den Direktanschluss von Haushaltsgeräten – da der Strom dabei nicht ins Hausnetz fließt, greift die 800-Watt-Grenze des Wechselrichters nicht, und Leistungen von bis zu 2.300 Watt sind möglich.

Welche Geräte laufen problemlos mit Solarstrom vom Balkon?

Das hängt natürlich davon ab, wie viel Strom typische Haushaltsgeräte benötigen. Die Einheit Watt (W) beschreibt dabei übrigens die momentane elektrische Leistung – also wie viel ein Gerät in einem bestimmten Moment benötigt.4

Die folgende Tabelle gibt eine erste Übersicht, welche Geräte locker mit den verfügbaren 800 Watt laufen und für welche das Balkonkraftwerk immerhin einen wesentlichen Anteil liefert. Selbst für für das Laden des E-Autos würde das Balkonkraftwerk immerhin sieben Prozent beisteuern.

GerätLeistung ca. in Watt

Radio

5 - 20

LED Glühbirne

5 - 20

W-Lan Router

10 - 20

Laptop

40 - 80

Fernseher

80 - 150

Kühlschrank

100 - 200

E-Bike laden

100 - 300

Staubsauger (Akku)

100 - 400

Waschmaschine

500 - 2.000 

(mehr Bedarf beim Aufheizen)

Spülmaschine 

100 - 2.200 

(je nachdem, ob sie z.B. pumpt oder aufheizt)

Toaster

700 - 1.000

Kaffeemaschine

800 - 1.500

Wasserkocher

2.000 - 2.400

Wäschetrockner

2.000 - 3.000

Backofen

2.000 - 3.000 

(im Betrieb)

Wallbox mit 11 Kw

11.000

Ein typischer Home-Office Tag mit Balkonkraftwerk

Daniela sitzt Anfang Mai in ihrem Arbeitszimmer am Schreibtisch. Um 15 Uhr beginnt die nächste Videokonferenz mit ihrem Chef und zwei Kollegen. Das Wetter ist super – die Sonne scheint. Das vor Kurzem installierte Balkonkraftwerk jagt aktuell 600 Watt in Danielas Stromnetz. Ihr Notebook verbraucht gerade rund 60 Watt, der Router weitere 15. In der Wohnung läuft außerdem der Kühlschrank, der gerade 120 Watt benötigt. Und eine kleine Schreibtischlampe brennt (15 Watt).

All diese Geräte benötigen zusammen rund 230 Watt. Das schafft das Balkonkraftwerk locker – und hat noch Sonnenstrom „übrig“. Den nutzt Daniela jetzt, um sich noch einen Cappuccino für die Videokonferenz zu brühen. Vom Stromlieferanten braucht sie dafür nun dank des Balkonkraftwerks nur noch einen „Energiezuschuss“.

Seit sie die Solarmodule angeschafft hat, hat Daniela ihre Stromquellen genauer beobachtet. Viele elektrische Geräte, die zum typischen Grundbedarf des Alltags gehören, werden jetzt mit dem Solarstrom versorgt, wenn die Sonne scheint: Computer, Router, Licht oder Fernseher. Auch ihr E-Bike kann sie oft tagsüber noch mit dem eigenen Solarstrom aufladen. Insbesondere bei Geräten, die etwas erhitzen, stößt das Kraftwerk an seine Grenzen. Hier liefert es aber regelmäßig immerhin einen gewissen Anteil.

So nutzt ihr ein Balkonkraftwerk optimal

Unabhängig davon, welche elektronischen Geräte ein Balkonkraftwerk in Sachen Wattzahl generell betreiben könnte, ist es natürlich immer eine Frage der Wetterbedingungen, wie viel Strom wirklich fließt. Kann es also in dem Moment, in dem man Toaster, Computer oder Spülmaschine nutzt, genug Sonnenenergie liefern? Wer sein Kraftwerk möglichst effizient nutzen möchte, sollte stromintensivere Aktionen möglichst immer dann starten, wenn die Sonne scheint.

Auch die Investition in einen Batteriespeicher ist eine gute Option. Der fängt zum einen all den produzierten Strom auf, den der Bewohner aktuell nicht selbst nutzen kann. Ein Balkonkraftwerk kann zudem oft mehr Watt produzieren, als die 800 Watt, auf die der Wechselrichter die Leistung drosselt. Auch den kann der Speicher zwischenlagern. Er hilft also immer, Zeiten mit hohem Stromverbrauch – kochen, waschen, Geschirr reinigen – mit dem eigenen vorher eingespeicherten Strom abzufedern. Die Unabhängigkeit vom Stromversorger steigt.

Kleine Anlage, spürbarer Effekt

Ein Balkonkraftwerk betreibt zwar selten ein großes stromintensives Haushaltsgerät allein, deckt aber einen großen Teil des täglichen Grundverbrauchs ab. Dadurch sinkt der Netzstromverbrauch spürbar – was ihr an der Höhe der Stromrechnung merken werdet. Zudem macht ihr euch ein Stück unabhängiger vom Netzbetreiber. Wer zudem mit Speichern arbeitet, stellt sicher, dass möglichst viel Solarstrom auch wirklich für den eigenen Haushalt genutzt wird.

Hinweise

1

Die 800 Watt-Grenze ist seit Mai 2024 gesetzlich festgelegt. Hintergrund sind vor allem Sicherheits- und Netzstabilisierungsgründe. Es gibt zwar Balkonkraftwerkmodelle, die mehr Strom erzeugen können. Die Wechselrichter werden aber werkseitig auf die gesetzliche Grenze eingestellt.

2

Grds. können auch Betreiber eines Balkonkraftwerks eine Einspeisevergütung erhalten. Diese ist aber zum einen sehr gering und zum anderen mit dem Einbau eines Zweirichtungszählers und höherem administrativen Aufwand (Meldungen und Abrechnungen) verbunden.

3

Viele Anbieter haben bereits Paketlösungen aus Balkonkraftwerk und Speicher im Programm. Consors Finanz bietet individuelle Finanzierungslösungen dafür an.

4

Zum Vergleich: Was der Strom kostet, wird in der Regel in Kilowattstunden berechnet. Um Watt (W) in Kilowattstunden (kWh) umzurechnen, braucht man diese Formel: Watt * Stunden / 1000 = kWh. Ein Gerät mit 1000 Watt (1 kW), das 1 Stunde läuft, verbraucht somit 1 kWh.

Ein 800-Watt-Balkonkraftwerk an einem Süd-Balkon ohne Verschattung erzeugt laut ADAC (https://www.adac.de/rund-ums-haus/energie/versorgung/balkonkraftwerk/) circa 600 bis 900 Kilowattstunden (kWh) im Jahr. Wie viel Solarstrom es genau bringt, hängt von Ausrichtung und Neigungswinkel sowie vor allem der Sonneneinstrahlung am Standort ab. Die Ausbeute schwankt auch je Jahreszeit: Im Sommer sind Erträge von 4 bis 5 kWh pro Tag möglich, während es im Winter oft nur 0,5 bis 1 kWh pro Tag sind.