Kategorie: Nachhaltigkeit

Bäume pflanzen - mit Trinkwasserwald

Lesezeit: 6 Minuten
Trinkwasserwald

Investitionen in unseren Wald, sind Investitionen in unsere Zukunft. Aus diesem Grund engagiert sich der gemeinnützige Hamburger Umweltschutzverein Trinkwasserwald seit über 30 Jahren für den Umbau von Nadelwäldern in widerstandsfähige Laubmischwälder. Viele Mitarbeitende von Consors Finanz haben im Rahmen von Social Days bereits mit angepackt. Im Interview erklärt Katharina Meyer-Schulz, welche Ziele der Verein hat und wie er sie erreicht.

Der Klimawandel verändert die Wälder in Deutschland. Längere Trockenperioden wie zuletzt in ganz Deutschland, Hitze und Schädlinge wie der Borkenkäfer setzen vielen Beständen zu – und damit unserem gesamten Ökosystem: Gesunde Wälder sind weit mehr als grüne Lungen. Sie speichern Wasser, schützen Böden und bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Genau hier setzt der geimeinnützige Hamburger Umweltschutzverein Trinkwasserwald an. Sein Ziel ist es, reine Nadelwälder so umzubauen, dass sich unsere Grundwasserressourcen auf natürliche Weise vergrößern und unsere Wälder insgesamt dem Klimawandel besser trotzen können. Consors Finanz unterstützt seit beinahe sechs Jahren die Arbeit des Vereins: Ein bis zweimal im Jahr engagieren sich die Mitarbeitenden bei Baumpflanzaktionen im Münchner und im Duisburger Raum.

Wir wollten genauer wissen, warum Bäume so wichtig sind, was die Ziele des Vereins sind und was er bereits erreicht hat. Daher haben wir uns mit Katharina Meyer-Schulz, Leiterin des forstfachlichen Bereichs des Vereins, zum Interview verabredet.

Frau Meyer SchulzFrau Meyer Schulz

Katharina Meyer-Schulz ist Leiterin des forstfachlichen Bereichs und der Umweltpädagogik bei Trinkwasserald e.V.

Frau Meyer-Schulz, der Name Ihres Vereins ist ungewöhnlich. Was genau ist ein Trinkwasserwald?

Katharina Meyer-Schulz: Ein Wald, der von einer Nadelwaldmonokultur, also einem reinen Nadelwald, in einen Laubmischwald überführt wird. Dieser Umbau führt dazu, dass zukünftig mehr Grundwasser neugebildet wird.

Warum? 

Meyer-Schulz: Es kommt deutlich mehr Niederschlagswasser am Boden an, wenn Eichen, Buchen oder Linden statt Fichten oder Kiefern gepflanzt sind. Bei den Nadelhölzern verdunstet ein Großteil des Wassers direkt auf den Nadeln und gelangt daher gar nicht erst zum Boden. Laubbäume sind dagegen in der vegetationsfreien Zeit blätterlos. Hier kann das Niederschlagswasser den Boden erreichen, versickern und so unseren natürlichen Grundwasserspeicher bereichern.

Studien haben gezeigt, dass durch den Umbau eines Hektars intakten Nadelwalds in Laubwald jährlich zwischen 500.000 und 1,2 Millionen Liter zusätzliches Grundwasser generiert werden kann.1

Welche Rolle spielt der Wald insgesamt für unser Trink- und Grundwasser?

Meyer-Schulz: Eine sehr große. Wir gewinnen knapp 70 Prozent unseres Trinkwassers aus dem Grundwasser. Damit ist das Grundwasser unsere wichtigste Trinkwasserquelle. 40 Prozent der Wasserschutzgebietsflächen in Deutschland befinden sich im Wald. Und das Grundwasser, was im Wald entsteht, hat eine sehr hohe Qualität.

Das Grundwasser ist das eine. Aber es gibt ja noch zahlreiche andere Gründe, warum wir auf gesunde Wälder angewiesen sind.

Meyer-Schulz: Der Wald übernimmt viele wichtige Funktionen. Er reinigt die Luft, kühlt die Umgebung, sorgt für Lärmschutz und Erholung und ist Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Auch dafür ist der Umbau zu Mischwäldern wichtig - je mehr Baumarten, desto mehr Tiere und Insekten finden hier ein Zuhause.

Ein gemischter Wald ist dabei insgesamt widerstandsfähiger. Fällt ein Baum durch Sturm, Hitze oder Krankheit aus, wachsen andere Arten nach oder schließen die Lücke im Blätterdach.

Wie ernst steht es aktuell um unsere Wälder?

Meyer-Schulz: Sehr ernst. Nach dem aktuellen Waldschadensbericht ist nur noch jeder fünfte Baum in Deutschland gesund. Durch den Klimawandel ist in den letzten Jahren eine Waldschadensfläche von etwa 900.000 Hektar entstanden. Schädlinge haben viel Wald vernichtet, vor allem Nadelwaldmonokulturen. Die zunehmenden Hitze- und Dürreperioden, die wir in den vergangenen Sommern erlebt haben, setzen dem Wald zudem ordentlich zu und verringern unsere Grundwasserstände. Wir müssen etwas tun.

Was ist euer konkretes Ziel?

Meyer-Schulz: Aktuell bestehen deutsche Wälder noch immer zu knapp 50 Prozent aus Nadelwäldern, größtenteils in Monokultur. Wir arbeiten Hektar für Hektar daran, den Wald standortgerecht umzubauen.

Und wie genau macht ihr das?

Meyer-Schulz: Wir organisieren bundesweit Baumpflanzaktionen mit Freiwilligen vor Ort, Schulklassen oder Mitarbeitenden von Unternehmen im Rahmen von Social Days. Gemeinsam mit den Waldbesitzenden und den Forstbetreuenden legen wir die Flächen fest und beraten, welche Laubbäume am besten zum Standort passen. Die Bäume und die notwendigen Voraussetzungen für deren Pflanzung, wie etwa einen Wildschutz, finanzieren wir aus Spenden. Pro Pflanzaktion geht es um mindestens 2.000 neue Bäume. Dafür benötigen wir 16.000 Euro.

Wann war die erste Aktion mit Mitarbeitenden von Consors Finanz?

Meyer-Schulz: 2022 im Kirchhellener Forst bei Duisburg.

Wie läuft eine Pflanzaktion konkret ab?

Meyer-Schulz: Bei jedem Termin sind bis zu 50 Mitarbeitende dabei. Sobald sie im Wald angekommen sind, bekommen sie eine Pflanzeinweisung. Dann geht es in kleinen Gruppen von zehn ran an die Arbeit. Jeweils zwei Leute teilen sich einen Spaten und wechseln sich beim Buddeln der Löcher ab. Zwischendurch bekommen alle Teilnehmenden noch eine waldpädagogische Führung im Wald.

Wie viele Bäume schaffen die Teams an einem Tag?   

Meyer-Schulz: Das ist hängt immer von der Bodenbeschaffenheit, der Größe der Wurzeln, dem Wetter und der Gruppengröße ab. Machmal schafft man alle 2.000 Bäume, manchmal nur 500. Die restlichen Bäume pflanzen dann die Forstbetriebe im Anschluss gepflanzt.

Was kann eine langfristige Unterstützung von Unternehmen bewirken?

Meyer-Schulz: Für uns ist das langfristige Engagement von Unternehmen sehr wichtig, weil wir darüber einfach größere Flächen umbauen können. Entscheidend ist dabei allerdings, dass die Unternehmen auch wirklich hinter der Sache stehen. Einmalige Aktionen erwecken schnell den Eindruck von Greenwashing, das wollen wir aus Glaubwürdigkeitsgründen unbedingt vermeiden.

Wir schauen uns vor einem Engagement übrigens auch die Nachhaltigkeitsstrategie der Unternehmen an.

Einsatz im Wald

🌳🌳🌳Mitarbeitende von Consors Finanz haben im Rahmen von Social Days in den Jahren 2022 bis 2025 insgesamt 14.000 Bäume auf 3,65 Hektar gepflanzt und so dazu beigetragen, anfällige Nadel-Monokulturen in widerstandsfähigere Mischwälder zu verwandeln.2

🌎 Die nächste Aktion findet am 25. November 2026 im Deisenhofener Forst bei München statt.

Gibt es einen Moment aus einer Trinkwasserwald-Aktion, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist und der zeigt, warum diese Arbeit wichtig ist?

Meyer-Schulz: Das ist immer der gleiche Moment: Wenn ich am Ende einer Aktion in leuchtende Augen und zufrieden Gesichter schaue. Die meisten Teilnehmenden sind nachmittags zwar echt k.o. und manchmal auch richtig dreckig, aber total stolz darauf, was sie gemeinsam geschaffen haben.

Mach es wie: Michael

"Wir haben bei uns zu Hause vor etwa vier Jahren unsere Garagendächer begrünen lassen. Das hat verschiedene positive Effekte: Unser neues Gründach speichert Regenwasser und gibt es durch Verdunstung an die Luft ab, was wiederum insbesondere im Sommer die Umgebung kühlt. Das Dach bietet vielen Insekten eine neue Heimat. Außerdem hält die Dachhaut länger.“

Mann mit Brille vor einem BaumMann mit Brille vor einem Baum
Garagendach mit Photovoltaik AnlageGaragendach mit Photovoltaik Anlage

Fazit: Baum für Baum

Wie gut, dass es Vereine wie Trinkwasserwald gibt, die sich einen Baum nach dem anderen dafür einsetzen, widerstandsfähigere Ökosysteme für zukünftige Generationen aufzubauen. Wir freuen uns, dass wir ein bisschen mithelfen konnten

Hinweise

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Müller, J. (2005): “30 Jahre forsthydrologische Forschung auf der Großlysimeteranlage in Britz – Zielstellung und Ergebnisse.” 11. Gumpensteiner Lysimetertagung, S. 29–32

Müller, J. (2011): “Die Anwendung von Lysimetern zur Ermittlung des Wasserhaushaltes in Wäldern des nordostdeutschen Tieflands.” Waldökologie, Landschaftsforschung und Naturschutz 12, S. 37–46 (AFSV)

Natkhin, M., Sanders, T., Holzhausen, M. (2022): “Der Einfluss von Wald und Witterung auf die Tiefenversickerung.” Thünen-Institut für Waldökosysteme, Project Brief 2022/03, DOI: 10.3220/PB1643027675000

Loesch, K., Mohr, K., Massmann, G., Meesenburg, H., Müller, J., Feger, K.-H., Hillmann, M. (2024): “Umbau von Kiefern-Reinbeständen: Einfluss auf das Sickerwasser?” AFZ-DerWald 17/2024, S. 38–43

Loesch, K. (2023): “The effect of forest conversion from coniferous to broadleaved forests on deep seepage rates in Northwest Germany.” Dissertation zur Erlangung des Grades Dr. rer. nat., Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Erstgutachterin: Prof. Dr. Gudrun Massmann (Uni Oldenburg); Zweitgutachter: Prof. Dr. Karl-Heinz Feger (TU Dresden, Institut für Bodenkunde und Standortslehre); Disputation am 1. März 2023. 212 Seiten.

Harsch, N., Brandenburg, M. & Klemm, O. (2009): “Large-scale lysimeter site St. Arnold, Germany: analysis of 40 years of precipitation, leachate and evapotranspiration.” Hydrology and Earth System Sciences (HESS) 13, S. 305–317

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Wirkungsbericht 2025 von Trinkwasserwald e.V.; Pflanzbestätigungen von Trainkwasserwald e.V.  aus den Jahren 2022 bis 2024