Kategorie: Nachhaltigkeit

Von Oma lernen: Was früher normal war und heute nachhaltig ist

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Oma sitzt am Tisch mit ihrer Enkelin und erklärt ihr etwas

Wer wissen möchte, wie sich Ressourcen sparen, Müll vermeiden und nachhaltiger Konsum einfach umsetzen lassen, findet überraschend viele Antworten bei unseren Großeltern: Alte Hausmittel, bewusster Konsum und die Devise „reparieren statt wegwerfen“ sind heute wieder hochaktuell.

Lisbeth sitzt gemütlich im Sessel und flickt Löcher in Pullovern und Hosen. Anschließend will sie Pflaumenmus ansetzen. Die Marmeladengläser aus dem vergangenen Jahr stehen schon bereit. Ihr Mann Heinrich hat in der Zwischenzeit einen wackligen Küchenstuhl repariert. Das Werkzeug dafür hat er sich zum Teil beim Nachbarn geliehen.

Flicken, Ausbessern, Reste verwerten, Sachen leihen, Lebensmittel haltbar machen – für unsere Großeltern war das völlig normal. Den Umständen ihrer Zeit geschuldet. Was früher einfach sparsam war oder mangels moderner technischer Hilfsmittel nicht anders ging, wird heute unter Begriffen wie Kreislaufwirtschaft, Ressourcenschonung oder nachhaltigem Konsum neu entdeckt. Es lohnt sich, den Alltag von Oma und Opa einmal genauer anzusehen. Das ein oder andere Prinzip von damals kann uns heute helfen, um nachhaltiger zu leben.

Sieben nachhaltige „Haushaltshacks“ unserer Großeltern

🍏Essen, was die Saison hergibt

Erdbeeren im Dezember, Spargel im Winter oder Tomaten aus beheizten Gewächshäusern oder fernen Regionen waren für frühere Generationen schlicht keine Option. Also haben Oma und Opa das verarbeitet, was es aktuell auf dem Markt oder im Laden vor Ort gab. Wer länger etwas davon haben wollte, hat das Obst halt eingekocht oder Gemüse sauer eingelegt. Auf diese Weise haben sich die Menschen damals automatisch saisonal ernährt. Und lange Lieferwege oder hohe Energiekosten für die Kühlung waren kein Thema.

🚮Keine Lebensmittel verschwenden

Essen wegwerfen - das konnte man sich früher nicht leisten. Heute sollte man es sich nicht leisten. 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittel landen pro Jahr in Deutschland in der Tonne. Private Haushalte tragen 58 Prozent dazu bei. Um das zu reduzieren, darf man ruhig wieder auf Lisbeth und Heinrich schauen: Aus Essensreste wurden am nächsten Tag neuen Speisen, Gemüse auch gerne komplett verarbeitet. Hieraus sind auch einige klassische Rezepte entstanden: Aufläufe, Semmelknödel, Gemüsebrühen oder Fruchtmus zum Beispiel.

Heute gibt es noch ganz andere Möglichkeiten, Lebensmittel nicht zu verschwenden. Zum Beispiel über Food Rettungs-Apps, wie sie unsere Kollegin Sonja nutzt.

✋Vorhandene Dinge nutzen, statt neu kaufen

Unsere Großeltern lebten vielfach mit einer anderen Einstellung zu Konsum: Nicht alles musste neu gekauft werden. Erst einmal schauen, ob sich Sachen reparieren lassen oder von Nachbarn ausgeliehen werden können.

Damals spielten dabei sicherlich vor allem finanzielle Gründe eine Rolle. Heute kommt ein weiterer Grund hinzu: Der Schutz von Klima und Umwelt. Weniger Neukauf heißt weniger Produktion und das wiederum weniger Treibhausgase. Daher: Sharing is Caring.

⚒️Reparieren statt wegwerfen

Die alten Handtücher werden zu Putzlappen, Einmachgläser mehrfach verwendet, kaputte Klamotten geflickt oder zu neuen Kleidern umgenäht, kaputte oder alte Möbel aufgearbeitet. Heute nennt man das Upcycling. Auch das folgt der Idee, Konsum möglichst zu vermeiden.

Wer Kleidung, Möbel oder Elektrogeräte repariert, verlängert ihre Nutzungsdauer und vermeidet häufig den Ressourcenverbrauch eines Neukaufs. Reparieren, Wiederverwenden, Tauschen und Leihen sind deshalb wichtige Bausteine eines sorgfältigerem Umgangs mit Ressourcen.

Ina Effenberger, Changer Managerin bei Consors FinanzIna Effenberger, Changer Managerin bei Consors Finanz

Mach es wie: Ina

„Bananenschalen-Wasser für die Tomaten, Kaffeesatz und Eierschalen für den Boden – meine Oma hat mir gezeigt, dass die besten Dünger oft direkt in der Küche entstehen.“

🧽Alte Reinigungsmittel

Heute stehen zehn verschiedene Putzmittel im Schrank. Früher reichten Schmierseife, Essig oder Zitronen. Weniger ist mehr. Sagt auch die Verbraucherzentrale1: Für einen normalen Haushalt reichen ein Allzweckreiniger, ein Essigreiniger oder Zitronensäure und Handspülmittel.

Aber Achtung: Essig, Zitronensäure oder Schmierseife können für viele Reinigungsaufgaben sinnvoll sein, sind aber nicht automatisch nachhaltiger als moderne Produkte. Entscheidend sind unter anderem die richtige Anwendung, Dosierung und Materialverträglichkeit. Auch hier gilt oft wieder: weniger ist mehr.

🧺Wäsche auslüften statt sofort waschen

Nicht jedes Kleidungsstück muss nach einmaligem Tragen in die Waschmaschine. Lüften, ausbürsten oder gezieltes Entfernen eines Flecks kann eine Wäsche mit der Waschmaschine ersetzen. Das Umweltbundesamt2 empfiehlt ausdrücklich, die Waschhäufigkeit zu hinterfragen: Nicht jedes Wäschestück müsse nach einmaliger Benutzung gewaschen werden.

Und das hat gleich mehrere Vorteile: weniger Wasser, weniger Strom, weniger Waschmittel, weniger Verschleiß der Kleidung.

🌱Saatgut aufbewahren und selbst vermehren

Oma hatte möglicherweise Samen aus dem eigenen Garten fürs nächste Jahr aufgehoben. Heute erlebt Saatgutgewinnung, Sortenerhalt und alte Nutzpflanzensorten wieder mehr Aufmerksamkeit. Hier geht es heute um mehr als Sparen. Es geht um biologische Vielfalt und darum, Wissen und Sorten zu erhalten.

Auf einen Blick  

Was können wir von unseren Großeltern über Nachhaltigkeit lernen?

Unsere Großeltern haben viele Dinge länger genutzt, repariert, wiederverwendet und Lebensmittel sorgfältiger verwertet. Diese Prinzipien helfen auch heute, Ressourcen zu schonen, Abfall zu vermeiden und nachhaltiger zu konsumieren.

Wie haben unsere Großeltern Lebensmittelverschwendung vermieden?

Sie haben Lebensmittel häufig eingekocht, eingelegt, fermentiert oder zu neuen Gerichten verarbeitet. Auch heute helfen eine gute Einkaufsplanung, die richtige Lagerung und kreative Resteverwertung dabei, Lebensmittelabfälle zu vermeiden.

War das Leben unserer Großeltern wirklich nachhaltiger?

Nicht grundsätzlich. Manche Gewohnheiten waren ressourcenschonend, andere – etwa ineffiziente Heizungen oder sehr hohe Waschtemperaturen – waren es nicht. Nachhaltig ist deshalb nicht automatisch das Alte, sondern das, was Ressourcen schont und sich sinnvoll in den heutigen Alltag übertragen lässt.

Fazit: Unsere Großeltern waren unbewusst Trendsetter

Wie sehr die alten Gewohnheiten auch heute wieder angesagt sind, zeigt auch ein Blick in die Sozialen Medien. Upcycling, Putzmittel selbst machen, Fermentieren – einige von Omas Hacks werden von Influencern gehypt. Wenn es damit mehr oder weniger wie nebenbei gelingt, bewusster zu konsumieren und Lebensmittel mehr wertschätzen, ist das doch wunderbar. Probiert es einfach einmal aus.