Kategorie: Nachhaltigkeit

Elektroautos auf der Überholspur

Lesezeit: 6 Minuten
Junger Mann, der ein Ladekabel in sein E-Auto steckt, um es aufzuladen

Die Nachfrage nach Elektroautos hat in diesem Jahr deutlich angezogen. Die hohen Spritpreise, die neue E-Auto-Förderung und die technologische Entwicklung machen die Stromer für immer mehr Leute interessant. Ist das E-Auto als Alternative zum Benziner jetzt endlich richtig angekommen? Das wollten wir von Bernd Brauer, Head of Mobility bei Consors Finanz, wissen.

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Das Straßenbild ändert sich. Immer mehr E-Kennzeichen, immer mehr Ladesäulen, immer mehr Fahrer:innen, die auf Autobahnraststätten an den Tanksäulen vorbei zu den Ladestationen fahren. Das Elektroauto ist aber nicht nur im Alltag angekommen. Es scheint endgültig zum Überholen angesetzt zu haben. 

Im März 2026 sind in Deutschland erstmals mehr strombetriebene Autos als Benziner neu zugelassen worden.2 Nach den aktuellsten Zulassungszahlen aus dem Mai 2026 machten E-Autos mit rund 60.000 Stück sogar bereits 25 Prozent der neu zugelassenen Wagen aus. Benziner erreichten nur 21,6 Prozent3.

Die steigenden Nachfrage dürfte einerseits mit den aktuell hohen Spritpreisen zu tun haben. Andererseits ist Mitte Mai die neue Förderung für den Kauf von E-Autos in Kraft getreten – rückwirkend zum Jahresanfang. Das macht die Anschaffung der Stromer für viele günstiger (siehe Infokasten). 

Wir haben mit Bernd Brauer, Head of Mobility bei Consors Finanz und Finfluencer, über die aktuelle Entwicklung in Sachen E-Mobilität gesprochen.

Bernd Brauer, Head of Mobility bei Consors Finanz, lächelt freundlich in die KameraBernd Brauer, Head of Mobility bei Consors Finanz, lächelt freundlich in die Kamera

Bernd, bislang haben viele das E-Auto vor allem aufgrund der hohen Kaufpreise eher gemieden. Fördern die hohe Spritpreise und die neue attraktive staatliche Kaufprämie jetzt den Absatz?

Bernd Brauer: Gerade hat unser aktuelles Autobarometer4 wieder gezeigt, welche Rollen die Kosten allgemein beim Kauf eines neuen Autos spielen. Beim Ranking der wichtigsten Kriterien für die Anschaffung steht in Deutschland der Kaufpreis klar an erster Stelle. Direkt danach folgen die Betriebskosten5. Das sieht in anderen europäischen Ländern übrigens nicht anders aus. Jetzt sind die Benzinpreise in Folge des Irankriegs in die Höhe geschossen und sie bleiben schwer kalkulierbar. Daher überlegen nun viel mehr Käufer:innen als bisher, ob Strom als Antrieb nicht vielleicht günstiger für sie ist. Insbesondere wer die Möglichkeit hat, sein Auto zu Hause oder bei dem Arbeitgeber aufzuladen, hat deutlich geringere laufende Kosten als mit einem Verbrenner.

Den noch deutlicheren Absatzschub hat aber Regierung mit ihrem Entschluss gebracht, doch wieder eine Förderung für den Kauf von E-Autos einzuführen. Die aktuellen Zulassungszahlen zeigen, welche Wirkung die Förderung hat. Für den nachhaltigen Durchbruch des E-Antriebs wäre es nun wichtig, dass diese Förderung auch verlässlich und planbar zur Verfügung steht und die Regierung sie nicht wieder – wie Ende 2023 geschehen – abrupt von heute auf morgen zurücknimmt.

Bis zu 6.000 Euro Zuschuss für ein E-Autos

Der Staat fördert die Anschaffung und den Kauf von reinen E-Autos seit diesem Jahr wieder mit Zuschüssen. Außerdem gibt es verschiedene Steuererleichterungen.

Kaufprämie: Die neue Förderung gilt rückwirkend für E-Autos, die seit dem 1. Januar 2026 neu zugelassen wurden. Die Prämie hängt dabei vom Einkommen und der Anzahl der Kinder im Haushalt ab:6

Zu versteuerndes JahreseinkommenZuschuss (in €)Zuschuss (in €)Zuschuss (in €)

in Euro

Haushalt ohne minderjährige Kinder

Haushalt mit einem minderjährigem Kind

Haushalt mit zwei oder mehr minderjährigen Kindern

bis 45.000

5.000

5.500

6.000

45.001 bis 60.000

4.000

4.500

5.000

60.001 bis 80.000

3.000

3.500

4.000

80.001 bis 85.000

keine Förderung

3.500

4.000

85.001 bis 90.000

keine Förderung

keine Förderung

4.000

Über 90.000

keine Förderung

keine Förderung

keine Förderung

Quelle: Bundesumweltministerium7

Anträge für die Zuschüsse können Privatpersonen online beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)8 stellen.

Steuervorteil: Neu zugelassene E-Fahrzeuge sind bis zum 31. Dezember 2035 von der Kfz-Steuer befreit – maximal für zehn Jahre ab Erstzulassung.

Dienstwagenprivileg: Wer ein reines E-Auto als Dienstwagen auch privat nutzen darf, muss dafür nur 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises pro Monat versteuern. Zum Vergleich: Bei Verbrennern ist es ein Prozent.

Von der neuen Förderung jetzt einmal abgesehen – wie entwickeln sich die Preise für E-Autos generell zur Zeit? Wird E-Mobilität erschwinglicher?

Brauer: Meiner Meinung nach werden und müssen die Verkaufspreise für E-Autos kontinuierlich sinken. Das liegt am Wettbewerb. Es kommen gerade viele neue E-Modelle raus. Dabei drängen insbesondere chinesische Autobauer mit günstigen Preisen in den Markt. Zuletzt kamen schon fast sieben Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge von dort, Tendenz steigend. Hieran müssen sich deutsche und europäische Autobauer messen lassen. Und das tun sie nach meiner Beobachtung auch. Viele Hersteller haben das erklärte Ziel, zunehmend erschwingliche E-Mobilität auf den Markt zu bringen.

Davon abgesehen wächst auch der Gebrauchtwagenmarkt im E-Auto-Bereich. Hier lassen sich mittlerweile ebenfalls Schnäppchen machen. Viele Händler sichern den Kauf mittlerweile sogar mit Batteriegarantien ab.

Mit einem Wechsel zu einem E-Auto verändern sich auch die Fahrgewohnheiten und die Bedienung des eigenen Wagens. Sind E-Autos auch attraktiver für Deutsche, weil sie innovativ(er) sind?

Brauer: Hier zeigt das aktuelle Autobarometer, dass Eigentümer:innen von batteriebetriebenen Wagen sogar zufriedener mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis ihres Autos sind als Fahrer:innen von Benzinern oder Dieselfahrzeugen.9 Technologisch hat sich bei der Elektromobilität auch sehr viel getan. Die Reichweiten steigen mit jedem neuen Modell und auch die Ausstattung wird immer komfortabler. Dass man aufgrund der geringen Fahrgeräusche und der verzögerungsfreien Beschleunigung ein extrem gutes Fahrgefühl hat, hat sich mittlerweile ohnehin rumgesprochen.

Natürlich befinden wir uns nach wie vor in einem Transformationsprozess. Doch die Effizienzsteigerungen, die E-Autos allein in den vergangenen fünf Jahren erreicht haben, sind dabei wirklich beachtlich. Jede neue E-Auto-Generation wird also nochmal attraktiver werden, nochmal bessere Lade- und Speichertechnologien und noch mehr digitale Services haben. Außerdem wächst in der Zeit auch die Ladeinfrastruktur immer weiter.

Mach es wie Agnes

Ich bin begeisterte E-Auto-Fahrerin. Das Fahrgefühl ist einfach toll und ich habe das gute Gefühl, meinen eigenen CO2-Fußabdruck ein Stück weit zu reduzieren.10

Agnes Schuster, Lead Manager IT

Welche Finanzierungsmöglichkeiten bietet sich für den E-Autokauf an. Was ist insbesondere mit Blick auf die anhaltende technologische Entwicklung sinnvoll?

Brauer: Wir wollen dazu beitragen, dass E-Autos und damit klimafreundliche Mobilität für private Haushalte einfach erreichbar und bezahlbar wird. Hierzu bieten wir zum einen flexible Autokredite mit fairen Konditionen an und zum anderen Leasing11. Insbesondere Leasing ist für E-Autokäufer:innen eine spannende Option. Sie können einen Teil des „Technologiewandel-Risikos“ an den Händler abgeben, weil sie das Fahrzeug einfacher austauschen können und damit risikoloser an dem nächsten Technologieschritt teilhaben können.

Fazit: Die Zukunft fährt elektrisch

Die Entwicklung in Sachen Mobilität geht in großen Schritten Richtung Batterie. Größere Hemmschwellen wie Kaufreis, Reichweite und Ladeinfrastruktur werden peu à peu abgebaut. Und die staatliche Förderung sorgt für zusätzliche Anreize. Was ist mit euch? Probiert die E-Welt für den Anfang doch einfach einmal einen Tag aus oder fahrt bei Freunden mit, die ein E-Auto haben. Unsere Finfluencerin Astrid hat genau das gemacht und war positiv überrascht.