Kreislaufwirtschaft: Reduce, Reuse, Recycle rückt immer stärker ins Bewusstsein der deutschen Konsument:innen
Consors Finanz Studie
- Reduce: Der Anteil der Verpackungsvermeider:innen ist in den vergangenen drei Jahren in Deutschland um 41 Prozent gestiegen.
- Reuse: Rund 30 Prozent der deutschen Konsument:innen glauben, dass der wachsende Markt für gebrauchte und generalüberholte Produkte zum Konsum anregt.
- Recycle: 67 Prozent der Deutschen verwerten Produkte inzwischen wieder.
- Retail: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Verbraucher:innen verstärkt langlebige Produkte sowie Angebote mit reduziertem Verpackungsaufwand nachfragen.
Hinter dem Begriff „Kreislaufwirtschaft“ verbirgt sich sehr viel mehr als Mülltrennung und Recycling. Es geht darum, den Lebenszyklus von Produkten und Rohstoffen insgesamt zu verlängern. Die EU-Kommission hat die Kreislaufwirtschaft zu einem zentralen Punkt des European Green Deals gemacht. Bei den Konsument:innen ist die Idee der 3 R – Reduce, Reuse, Recycle – bereits angekommen. Nach den Ergebnissen des aktuellen Konsumbarometers 2022 „Circular Economy“ von Consors Finanz fühlen sich rund 60 Prozent der befragten Deutschen und Europäer:innen gut informiert, was die Möglichkeiten der Kreislaufwirtschaft anbelangt. Acht von zehn verbinden damit unmittelbar Umweltschutz. Zugleich zeigt die Umfrage: Obwohl die Verbraucher:innen Kreislaufwirtschaft praktizieren, konsumieren sie nicht unbedingt weniger.
Verpackungen vermeiden ist angesagt
Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass sich viele Verbraucher:innen mit der Vermeidung von Abfällen sowie der Wiederverwendung von Produkten und Verpackungen beschäftigen. So ist der Anteil der Personen, die nach eigenen Angaben Verpackungsmaterial vermeiden möchten, in den vergangenen drei Jahren um 41 Prozent in Deutschland und um 49 Prozent in Europa gestiegen. 51 Prozent der Befragten in Deutschland (Europa: 46 Prozent) geben an, durch ihre Konsumentscheidungen von vornherein weniger Abfall erzeugen zu wollen. Dazu zählen beispielsweise der Kauf unverpackter Lebensmittel oder gebrauchter Produkte. Auch Recycling spielt für viele Befragte eine wichtige Rolle: 67 Prozent der Deutschen (Europa: 65 Prozent) geben an, regelmäßig zu recyceln. Darüber hinaus achten 40 Prozent der Befragten in Deutschland (Europa: 43 Prozent) darauf, nicht mehr genutzte Gegenstände weiterzuverkaufen, zu verschenken oder reparieren zu lassen.
Konsum bleibt wichtig
Bezüglich der Frage, wie sich die Kreislaufwirtschaft auf den Konsum auswirkt, sind die Verbraucher:innen indifferent. 55 Prozent der Deutschen glauben, dass sie mit einem wachsenden Markt für recycelte, generalüberholte Produkte weniger kaufen.
Gleichzeitig wirkt sich die Kreislaufwirtschaft nicht unbedingt auf das Konsumverhalten aus. Für drei von vier Deutschen und Europäer:innen (77/75 Prozent) ist Eigentum nach wie vor sehr wichtig. Nur 23 Prozent der Deutschen und 25 Prozent der Europäer:innen können sich stattdessen vorstellen, Dinge zu leihen oder zu mieten. Auch gegenüber gebrauchten Produkten gibt es noch eine gewisse Skepsis: Jede:r dritte Deutsche (30 Prozent der Europäer:innen) kauft nie Secondhand-Produkte. Die Gründe sind vielfältig. Gut jede:r vierte befragte Europäer:in kann sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, etwas Gebrauchtes weiter zu nutzen beziehungsweise will gerne Neuware erwerben. 30 Prozent meiden den Secondhand-Markt aufgrund der eingeschränkten Garantien.
Handel muss aktiv werden
In der Praxis scheint die Kreislaufwirtschaft in Teilen schon gut zu funktionieren. Fast die Hälfte der Deutschen sieht das System bereits gut entwickelt. Aber es ist noch viel Luft für Weiterentwicklungen. „Die Studie zeigt, dass die Verbraucher:innen nicht weniger, sondern bewusster konsumieren wollen und hier vor allem den Handel und die Hersteller in der Aufgabe sehen, innovative Konzepte zu entwickeln“, ergänzt Oliver Schurack, Head of Retail Financial Solutions von Consors Finanz. Besonders gefragt sind aus Sicht der Befragten langlebige Produkte, Produkte aus recycelten Materialien sowie Angebote mit reduziertem Verpackungsaufwand. Handel und Hersteller können diese Präferenzen bei ihren Angebots- und Sortimentsentscheidungen berücksichtigen.
GRAFIK:
Bildunterschrift: Reduce, Reuse, Recycle – die Kreislaufwirtschaft kommt bei den
Konsument:innen an (Bild-Quelle: Consors Finanz)
Weitere Informationen:
Über die Studie
Die Verbraucherstudie wurde vom 05. bis 19. November 2021 durch Harris Interactive in 17 Ländern durchgeführt: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Spanien, Tschechische Republik und Ungarn. Insgesamt wurden über 15.800 Personen im Alter zwischen 18 und 75 Jahren befragt (Online-Befragung über CAWI). Diese Personen wurden aus einer repräsentativen nationalen Stichprobe des jeweiligen Landes ausgewählt.

