Roundtable zur Zukunft des Automarkts: „Technologischen Fortschritt, Kundenerlebnis und Preis-Leistungs-Verhältnis zusammen denken“

Bernd Brauer, Head of Mobility bei Consors Finanz, hat anlässlich des Consors Finanz „Automobilbarometer 2026“ mit Vertretern von Autoherstellern und -handel diskutiert, wie eine Neuausrichtung des Markts gelingen kann.

München, 23. April 2026

Ein eigenes Auto bleibt für die meisten unverzichtbar – doch die stetig gestiegenen Preise bremsen viele Käufer:innen. Aus ihrer Sicht sind niedrigere Margen und einfachere Modelle sowie Regulierung vom Staat mögliche Wege, um den Neuwagenmarkt wieder anzukurbeln. Das sind zentrale Ergebnisse des Consors Finanz „Automobilbarometer 2026“. Anlässlich seiner Veröffentlichung hat Bernd Brauer, Head of Mobility bei Consors Finanz, Mitte April mit Branchenvertretern über Wege aus der Kaufzurückhaltung diskutiert. Am Roundtable nahmen Oliver Rittierodt, Director Sales bei MG Motor Deutschland, und Christian Kraft, Geschäftsführer der Auto Eder Gruppe, teil. Rund 130 Zuschauer:innen verfolgten den Branchentalk im Livestream.

Dem Kostendruck mehr Rechnung tragen

„Viele Menschen fragen sich inzwischen, ob sie sich ihren individuellen Mobilitätsbedarf weiterhin leisten können“, stellte Oliver Rittierodt zu Beginn der Runde fest. „Dem müssen wir Rechnung tragen.“ Dabei ginge es aber nicht allein um den Anschaffungspreis. „Entscheidend ist, dass Kundinnen und Kunden ein Auto zu einem bezahlbaren monatlichen Budget bekommen“, ergänzte Christian Kraft. Transparente Leasingraten und kalkulierbare Gesamtkosten werden immer wichtiger. Bernd Brauer bestätigte diesen Trend: „Leasing gewinnt auch im Privatkundensegment zunehmend an Bedeutung.“

Ebenso könnten staatliche Maßnahmen wie der aktuell geplante Tankrabatt kurzfristig helfen – vorausgesetzt, sie seien einfach gestaltet und erreichten Verbraucher:innen schnell. Da waren sich die Experten einig.

Einfachere Ausstattung statt geringere Margen

Bei der Forderung, Margen zu reduzieren, zeigten sich die anwesenden Experten erwartungsgemäß zurückhaltend. „Die Entwicklungskosten für neue Technologien sind enorm. Wenn wir Innovationen vorantreiben wollen, müssen diese Investitionen auch refinanziert werden“, erklärte Rittierodt. Es sei daher wichtig, die Investitionsbereitschaft weiter hochzuhalten. Christian Kraft wiederum sah keine Chance, dass der Handel auf noch mehr Marge verzichtet. „Der Deckungsbeitrag im Neuwagenverkauf ist schon jetzt an der Schmerzgrenze.“

Bernd Brauer nannte einen anderen Ansatz: „In Deutschland treiben individuelle Sonderausstattungen und umfangreiche Zubehörlisten die Preise stark nach oben. In vielen anderen Märkten kaufen Kundinnen und Kunden einfach ein sofort verfügbares Fahrzeug vom Hof.“ Weniger Ausstattung könne Autos günstiger machen.

Staatliche Incentives für Neu- und Gebrauchtwagen

Eine staatliche Preisregulierung sieht Finanzierungsexperte Brauer als Eingriff in den Markt kritisch. Effektiver seien zielgerichtete staatliche Anreize. „Staatliche Förderprogramme können Nachfrage schaffen – etwa für E-Autos oder für Haushalte mit geringerem Einkommen. Entscheidend sind aber Verlässlichkeit und Planungssicherheit.“ Händler Kraft ergänzt, dass Förderprogramme breiter gedacht werden müssten. „Gebraucht- und Vorführwagen dürfen nicht außen vor bleiben. Ansonsten entstehen in diesen Segmenten Wertverluste, die wir nicht mehr auffangen können.“

Der Autohandel bleibt zentral – trotz Onlinevertrieb

Das Consors Finanz Automobilbarometer 2026 zeigt auch: Persönliche Beratung gewinnt wieder an Bedeutung. Das hat auch Oliver Rittierodt erkannt. „Wir setzen ganz klar auf den stationären Handel als direkten Ansprechpartner für unsere Abnehmer – sowohl im Sales als auch im After-Sales. Der deutsche Markt ist serviceorientiert.“ Das wiederum schließe ein Vorantreiben des Auto-Onlinekaufs nicht aus. Die Digitalisierung sollten Hersteller und Händler gemeinsam angehen. Es gehe darum, eine intelligente Verbindung zwischen beiden Welten zu schaffen. Online-Recherche plus individuelle Beratung im Autohaus.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis wird zum entscheidenden Faktor

Abschließend wagten die Experten einen Blick in die Zukunft – die aktuell insbesondere von den wirtschaftlichen Spannungen und globalen Krisen geprägt ist. Diese stellen Hersteller derzeit vor enorme Herausforderungen. „Unser erklärtes Ziel ist es, kurz- und mittelfristig immer günstigere E-Mobilität auf den Markt zu bringen. Doch wir sind bei all unseren Plänen extrem abhängig von der Entwicklung der Rohstoffpreise“, so Rittierodt. Zugleich beschere die aktuelle Tankkrise insbesondere der E-Mobilität einen neuen Schub – spannenderweise auch im Gebrauchtwagenmarkt. Autohändler Kraft meint dennoch, dass auch der Verbrenner weiterhin Teil des Markts sein wird – jedenfalls solange die Ladeinfrastruktur noch nicht völlig überzeugt.

Alles in allem hält es Bernd Brauer für möglich, dass sich der Neuwagenmarkt 2026 trotz der Spritpreisdiskussion auf einem ähnlichen Niveau stabilisiert wie 2025. Entscheidend werde sein, technologische Innovation mit einem überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnis zu verbinden. Kraft bringt es auf den Punkt: „Erfolgreich wird sein, wer technologischen Fortschritt, Kundenerlebnis und einen bezahlbaren Preis zusammenbringt.“

Bild vom Studienroundtable mit Sprechern Corinna März, Bernd Brauer, Oliver Rittierodt und Christian Kraft.Bild vom Studienroundtable mit Sprechern Corinna März, Bernd Brauer, Oliver Rittierodt und Christian Kraft.
v. l. n. r. Corinna März und Bernd Brauer, Consors Finanz; Oliver Rittierodt, MG Motor Deutschland; Christian Kraft, Auto Eder Gruppe (Bild-Quelle: Consors Finanz)

Weitere Informationen

Über die Studie

Die Verbraucherstudie wurde vom 30. Juni bis 11. Juli 2025 durch Harris Interactive in 13 Ländern durchgeführt: Belgien, China, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Niederlande, Polen, Portugal, Spanien, Türkei, Vereinigtes Königreich und die Vereinigten Staaten. Insgesamt wurden rund 16.000 Personen im Alter ab 18 Jahren befragt (Online-Befragung über CAWI). Diese Personen wurden aus einer repräsentativen nationalen Stichprobe des jeweiligen Landes ausgewählt.